Sprache

Dem scheint - ganz fener ihm - es sei, mir all's nur weiters allerlei!

Manche kennen das wohl: Man öffnet ein Buch Johann Wolfgang von Goethes und ist erstmal über die komplizierte Wortwahl, die seltsame Grammatik oder sogar über einem bis dato unbekannte Wörter erstaunt.
Dies hängt natürlich auch damit zusammen, wie sehr man mit älterer Literatur vertraut ist, aber so ein Erlebnis hatte bestimmt schon einmal jeder, der sich etwas mit Büchern befasst. Und selbst wenn man diese Art von Sprache gewohnt ist, erkennt man doch signifikante Unterschiede zu der in heutigen Büchern verwendeten.

Denkt man nun aber etwas weiter (oder auch an die Vergangenheit) wird einem klar, dass sich auch unsere heute gebräuchliche Sprache irgendwann so stark verändern wird, dass Unterschiede wie zwischen einem Kafka und einem Dan Brown zwischen unserer heutigen und der zukünftigen Literatur existieren werden. Die Frage ist nur: Wie werden diese aussehen?

Viele der deutschen Sprache zugewandte Menschen verteufeln ja den durch das Englische auftretenden Sprachwandel hinsichtlich der Anglizismenverwendung im täglichen Leben. Ich bin der Meinung, dass sich Sprache auf jeden Fall entwickeln darf und soll und ein Entwicklungsstillstand eher wenig förderlich wäre - selbst wenn das einer gewisse innere Umstellung bedarf.
Allerdings muss man auch das Ausmaß dessen bedenken. Ich sehe es ehrlich gesagt nicht gerne, wenn man, nur um massenwirksamer oder medientauglicher aufzutreten, jedes Wort möglichst in einen englischsprachigen Kontext zwängt oder gleich übersetzt wiedergibt. Die Gefahr dabei ist nämlich, dass das Englische, zum Nachteil anderer Sprachen, im Einfluss die Überhand gewinnt. Natürlich gibt es immer noch aus dem Französischen übernommene Wörter im Deutschen bzw. solche mit französischem Einfluss. Nur haben diese auf Grund der Amerikanisierung der Verkaufswirtschaft in der Öffentlichkeit keinen besonders großen Wert mehr.

Aber abgesehen davon, gibt es ja noch die "Jugendsprache", die unter die Fuchtel der Kritiker fällt. Hier muss man jedoch zwischen geschriebener und gesprochener Sprache unterscheiden: Gegen ein "Alter", "Mann", "Ey" oder "Krass" im umgänglichen Sprachgebrauch habe ich rein gar nichts - ich verwende diese Wörter selbst. In einen Text (wenn er das Thema nicht gerade künstlerisch verarbeitet) würde ich sie jedoch niemals einbauen - zumindest nicht in dem Kontext, in dem sie "auf der Straße" verwendet werden.
Somit finde ich es auch ziemlich unnötig von Pons, ein Wörterbuch der Jugendsprache herauszubringen. So etwas mag vielleicht lustig zum Nachschlagen sein, wenn man allerdings zu dem Punkt gelangt, diese Wörter auch in schriftlicher Form zu verwenden (und dabei helfen Wörterbücher ja für gewöhnlich), ist meiner Meinung nach irgendetwas schief gelaufen.

Noch eine Stufe härter ist dann die Neuigkeit, dass in Neuseeland Internetabkürzungen bei Englisch-Arbeiten verwendet werden dürfen. Ich frage mich immer noch, weshalb man somit die Verwendung von nonkonformen Abkürzungen (die zudem selbst für mich als täglichen Internet-, Chatsystem- und Forennutzen teilweise sehr undurchsichtig sind) fördert und auf Rechtschreibung keinerlei Wert zu legen scheint.
Wie stellen sich die Verantwortlichen das zukünftige Berufsleben jener Kinder vor? Mit der Hoffnung, bis dahin würde jedermann in dieser Weise schreiben?

Aber genug dazu.
Im Grunde ging es mir ja nur um die Überlegung, wie erstaunt ein Mann/eine Frau des gerade zu Ende gehenden 21. Jahrhunderts über unsere Art und Weise des Schreibens sein muss - sofern er oder sie die Sprachentwicklung nicht mitbekommen hat.
Ich jedenfalls denke, dass es vorallem bezüglich der Wortwahl noch einige Unterschiede/Neuerungen geben wird und die Einflüsse anderer Sprachen mehr Wirkung zeigen als zuvor. Vielleicht wird es sich so abspielen wie beim Pennsylvania-Deutsch, bei dem man (ungeachtet des Dialekts) auch bei uns nicht verwendete englische Wörter ganz einfach in den gewöhnlichen Sprachgebrauch eingebunden hat - was hier natürlich einen anderen Hintergrund hat. ; )

21.11.06 01:09, kommentieren