Universalität

Eines der größten Probleme für den wissenschaftlich denkenden Menschen ist immer noch folgendes: Was war vor dem Urknall? Wie kann man sich etwas Raum- und Zeitloses (die beiden Grunddimensionen sind ja erst mit der Materie, also nach dem Urknall enstanden) vorstellen, ein Nicht-Sein quasi, wo doch alles um uns herum vom Sein oder zumindest vom Gedanken daran dominiert wird?
Doch abgesehen von der Überlegung des Posturknalles besteht ja zudem noch die Frage, wer diese Materie, die zu einem Minimum konzentriert irgendwie vorhanden war und sich dann plötzlich entfaltete und ausdeht erschaffen hat, oder vielmehr, woher sie gekommen ist. Und das, sowie die Idee, dass das Universum, wie es heute (in den Grundzügen) vorhanden ist, vielleicht schon immer so war (dazu später mehr), brachte mich auf eine dritte Überlegung bezüglich des "Big Bangs", die mir zuvor komischerweise noch nie gekommen ist: Wer hat den zündenten Funken, den ersten Uranstoß der danach sich immer weiter ausbreitenden Kausalität gegeben? Oder, anders gesagt, was brachte die Materienkonzentration zum "Explodieren"?

Eine Erklärung dafür wäre, dass irgendetwas, irgendjemand diesen ersten Ruck nach Vorne in der Geschichte des Universums gegeben hat - wie ein Mensch, der nach dem Aufbau einer Dominostein-Reihe (oder zumindest nach einer, die schon vorher, aus welchem Grund auch immer, da war) den ersten Stein antippt und somit alles zum Rennen bringt. Hier könnte man einen Gott einsetzen, egal, was seine sonstigen Qualitäten ausmacht oder wie er sich verhält; wichtig ist nur, dass er unabhängig von Raum und Zeit existieren kann und die Kraft besitzt, die Urmaterie in Schwung zu bringen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Idee des Demiurg, der in der griechischen Mythologie zwar eher als Schöpfer der Welt (aber eben nur als dieser) agiert, man ihn aber durchaus - wenn man die Urknalltheorie vertritt - als einfachen Anstoßgeber sehen kann. Schließlich geht es bei diesem vor allem um die Ordnung der Welt, was das Erschaffen einer Materie nicht unbedingt vorraussetzt, wenn diese schon da ist. Und wieso könnte sich das Ordnen nicht als ein für uns erdachter großer Knall äußern?

Doch das logisch folgende Problem hat schon Bertrand Russell formuliert: Wenn wir davon ausgehen, dass alles irgendwie entstanden sein muss (also durch kausale Entstehungsvorgänge hervorgerufen), muss dieser Gott, der Schöpfer, der Zünder ebenso von etwas Höherem erzeugt worden sein. Und wenn wir akzeptieren, dass manche Dinge auch einfach nicht erschaffen werden mussten, können wir das genauso auf das Universum beziehen.
Und hier nun meine persönliche Theorie: Das Universum hat schon immer existiert, seit "ewigen" Zeiten. Das Problem ist nur, dass wir Menschen uns Ewigkeit auf Grund der Anthropomorphisierung nicht vorstellen können und für viele Menschen diese Idee somit nicht nachvollziehbar erscheint. Und da der Mensch (was nun nicht abwertend gemeint ist) seinen Wissensdurst mit naturwissenschaftlichen Erklärungen stillen muss, erlangt man so meistens nicht zur gewünschten Befriedigung.

Aber warum geht es nun?
Wir wissen, dass das Universum sich ausdehnt - das ist ein Fakt, den ich nicht bestreiten möchte. Physiker schließen aus dieser Expandierung, dass, wenn man diesen Vorgang simuliert rückwärts laufen lässt, das Weltall irgendwann auch einmal auf einem kleinsten gemeinsamen Punkt existiert haben muss und dieser vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren sich auszudehnen begonnen hat. Klingt sicherlich plausibel, allerdings möchte ich eine Theorie aufstellen, die ich meiner Freundin einmal mit Hilfe eines Haargummis erklären wollte, ich jedoch meine Meinung nicht ganz herüberbringen konnte. Ich will es hier versuchen:

Man stelle sich einen Haargummi vor, der, in seinem normalen Zustand, das Universum darstellen soll. Man kann ihn ausdehnen, genau so, wie das mit dem Weltall passiert. Normalerweise würde man nun annehmen, dass dessen Urzustand in etwa so aussieht wie der Haargummi, wenn er zusammengeknüllt ist. Nach dem Urknall breitet er sich aus und dehnt sich immer weiter, bis zu einem gewissen Punkt, bei dem wir im Moment angekommen sind.
Wie ist das aber nun, wenn das Universum schon immer existiert hat? Dann ist der Urzustand der Haargummi, wie er auf der Handfläche (oder wo auch immer) liegt. Er kann sich immer noch ausdehnen, man kann schließlich daran ziehen und er wird räumlich größer. Allerdings war er im Urzustand nicht auf einen winzigen Punkt konzetriert, sondern vollständig entfaltet, die Galaxien und Sterne schwebten sozusagen schon im All herum und begannen dann, vor 13 Milliarden Jahren eben, sich auszudehen - der Grund dafür sei ungenannt, denn wie wir erkannt haben, gibt es für die Entstehung des Urknalles ebensowenig eine Begründung.
Ein wichtiger Unterschied ist jedoch auch, dass wir nun nicht von einem "Urzustand" sprechen können. Höchstens von einem, bevor die Ausdehnung begonnen hat, aber da dieser keinen Urpunkt, keinen Anfang hatte, würde ich diesen eher als "Grundzustand" bezeichenen.

Beweise gibt es dafür natürlich ebensowenig welche, ansonsten wäre irgendein Naturwissenschaftler bestimmt schon auf diese Idee gekommen. Aber ich denke, die These eine interessente Alternative zum Urknallmodell dar, die man natürlich gerne widerlegen darf.

16.12.06 21:25

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Raiby (18.12.06 11:57)
Bezüglich dem Urknall kann man sowieso nicht sagen was jetzt warum wie passiert ist. Das etwas schon "immer" da war und jetzt auch noch ist kann sich der Mensch nicht vorstellen (wie zB das Universum) sagst du. Und wie kann sich dann der Mensch vorstellen, dass es Gott schon immer gegeben hat? Der Mensch redet ja nur davon was Gott alles erschaffen hat und nicht wer oder was eigentlich ihn/sie/es (man kann Gott nicht wirklich einem Geschlecht unterstellen, nur das Wort Gott ist männlich) eigentlich erschaffen hat.
Bezüglich des Univsersums gibt es auch eine andere Theorie, wenn nun sagen wir mal der Haargummi seinen Urzustand im zusammengeknüllten Zustand hat und sich ausdehnen lässt. Irgendwann ist das ganze nicht mehr dehnbar, was passiert dann? Stürzt das Universum mit genauso rasanter Geschwindigkeit zusammen wie der Haargummi wenn man ihn löslässt?


Betz (18.12.06 20:10)
Oder explodiert das Universum wie ein reißender Haargummi? O:
xD


Lucian (18.12.06 20:30)
Wer sagt denn, dass sich ein Mensch die Ewigkeit eines Gottes vorstellen kann? Die zu behaupten ist ganz einfach leichter, da es a) reine Glaubenssache ist und man noch weniger herausfinden wird, ob wirklich ein über Zeit und Raum erhabener Gott existiert und b) die Universenforschung ein wissenschaftliches Gebiet ist - und wir in der Wissenschaft eigentlich gar nichts kennen, dass ewig lebt und schon immer da war (überall wirst du früher oder später auf Kausalitäts- und Determinationsketten stoßen).
Damit will ich sagen, dass es in religiösen Kreisen (egal welchen, auch antiken) nicht unüblich ist, dass Dinge ewig und unsterblich existieren. Aber zwischen solchen Vorstellungen und dem materiell existierenden Raum, in dem sich unsere gesamte Existenz abspielt, besteht meiner Meinung nach ein gewaltiger geistiger Dimensionsunterschied für uns Menschen.

Und wie gesagt: Entweder nehmen wir an, dass sämtliche Dinge erschaffen werden, einen vorgehenden Auslöser haben müssen - dann müssen sowohl Universum als auch Gott von etwas Vorigem geschaffen werden. Oder wir glauben daran (und letztendlich ist es nur Glaubenssache, denn wie du schon sagst entziehen sich manche Bereiche auch der Wissenschaft) dass manches ewig existieren kann und keinen Schöpfer braucht - somit könnte man Gott erklären, allerdings auch die atheistische Sichtweise des ewigen Universums begründen.


Lucian (18.12.06 20:34)
Und ja, ich kenne die Theorie des Big Chrush'. Wenn wir nach der geläufigen Ansicht, das Universum hätte in einem Urknall begonnen und dehne sich weiter aus gehen, dann mag das sicherlich einmal auftreten. Wobei dann wieder die Frage ist, wieso sich das Universum plötzlich wieder komprimieren sollte, dafür muss es ja auch einen Auslöser geben.
Und gehen wir nach meiner Theorie, so kann es auch sein, dass es einmal wieder aufhört sich auszudehnen, ebenso wie es einmal damit angefangen hat. Auch hier braucht es einen Bewirkenden, womit wir auf gleicher Ebene wären - aber ich habe ja auch nicht behauptet, meine Theorie wäre schlüssiger oder würde irgendetwas besser erklären.


Raiby (18.12.06 23:51)
"aber ich habe ja auch nicht behauptet, meine Theorie wäre schlüssiger oder würde irgendetwas besser erklären." - Ich habe auch nicht behauptet sie wäre es. Und ich sehe das eher so: Menschen können sich etwas ewiges und unendliches nicht vorstellen, wie auch? Etwas was nicht aufhört kann man nicht aufhören sich vorzustellen, gerade mal einen Teil davon. Daran bindet uns das Raum/Zeit-Gefüge/Denken.
Würden wir in anderen Dimensionen denken könnten wir es vielleicht tun.
Um auf das vorige zurückzugreifen, wir können uns Ewiges nicht vorstellen, richtig? Aber wir (bzw. religiöse Menschen) nehmen an, dass Gott ewig _ist_. Warum ist er das? Egal, er ist es und deshalb ist es so. Man kann Gott nicht argumentieren, er ist alles und hat alles erschaffen usw. Also muss es ihn ewig gegeben haben, denn man kann etwas allmächtiges, allwissendes und allgütiges Wesen nicht erschaffen ohne es selber zu sein. Also müsste Gott Gott geschaffen haben. Und wie soll das gehen?
Es besteht einfach das Problem, dass der Mensch kausal denkt, woran er selber Schuld ist. Deshalb muss es einen Grund geben warum es den Urknall gab. Wobei ich jetzt ehrlich sagen muss die Urknaltheorie ist noch die die mir am besten gefällt.
Gottestheorien glaub ich prinzipiell nicht


Lucian (19.12.06 00:03)
Ja, dass wir uns Unendlichkeit nicht vorstellen können, darin stimme ich dir zu. Mit meiner These wollte ich eigentlich nur klar machen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, wie es zur Entstehung des Universums gekommen ist und dass keine irgendwie bedeutsamer ist als die andere, da sie alle mit Begriffen zu tun haben die, wie du sagst, sich unserem Denken entziehen.

Und das mit Gott habe ich bei meinem vorigen Kommentar schon in etwa so gemeint: menschliche Erklärungen, die einen Gott voraussetzten, haben gleichzeitig keine Erklärung für die unlogischen Eigenschaften dessen, ansonsten würde man sich im Kreise drehen und Unerklärliches mit Unerklärlichem begründen. Glauben kommt eben dann ins Spiel, wenn die Wissenschaft nicht mehr greift, allerdings kann man beim Glauben auch nicht mit wissenschaftlichen Methoden arbeiten.

Naja, mein Versuch war ja auch, diese Kausalität im Grunde zu übergehen. Wenn das Universum schon ewig existiert, hat es dafür keinen Auslöser gebraucht, nur können wir mit "Ewigkeit" nicht arbeiten bzw. generell etwas damit anfangen. Du sagst ja richtig dass der Mensch zum kausalen Denken verurteilt ist, was dann eben der Grund für die Nicht-Vorstellbarkeit des Unendlichen ist.
Aber nur weil wir es uns nicht vorstellen können, heißt das nicht, dass es nicht möglich ist.
Ein ewiges Universum würde sich zwar den Gesetzen der Naturwissenschaften entziehen, aber gleichzeitig ebensowenig religiös wirken, da keine äußere Kraft (in welcher Form auch immer) notwendig wäre. Ich bin kein Feind der Naturwissenschaften, aber da sie für das Urknallproblem keine Antworten liefern können, halte ich meine Theorie weiterhin für interessant. ^^

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