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Der Motor des Lebens

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches die Fähigkeit zum Selbstmord besitzt. Auch wenn ein grassierender Unglaube besagt, dass sich Lemminge ebenso umbringen können - in Wahrheit sind es nur wir, die sich zum Freitod entscheiden können (da unser Überlebenstrieb - wie auch alle anderen Triebe - zurückgestellt bzw. unterdrückt werden können).
Daraus resultiert jedoch, dass irgendetwas an uns sein muss, dass uns überleben, die schlimmen Dinge des Lebens überstehen lässt. Der Mensch besitzt eine innere Neugier, die meistens nur durch seelische Krankheit unterdrückt wird. Ansonsten ist er, zumindest im Kleinen, gewillt, immer neue Dinge zu entdecken; Dinge, die er interessant findet, die ihm Freude bereiten. Denn das ist das zweite Überlebensziel: So viel persönliches Glück wie möglich zu erfahren (und wir wissen, dass jede menschliche Handlung zumindest zu einem kleinen Teil darauf beruht, dass die Person selbst glücklicher wird) - der Überlebensgrund somit also, dass wir vom Glück nicht loslassen können, haben wir es erst einmal erfahren.

So, und nun kombinieren wir diese beiden Dinge also und setzen sie auf das Maximum, was sozusagen das Ziel darstellt. Heraus kommt (nach dem Schreiber hier), dass wir neugierig sind, welches denn das höchste Glück ist, bzw. wollen wir das höchste Glück erfahren. Dies lässt sich irgendwie gut mit dem vergleichen, wonach die Vorsokratiker gesucht haben: Mit der Aρχή (Arché), allerdings nicht im Sinne des Urstoffes, vielmehr in dem der letzten Wahrheit, der grundlegenden Erkenntnis. Man betrachte nur Platons Höhlengleichnis: Hier erklärt er mit Hilfe einer Parabel, dass das Ziel des Menschen wäre, sich von den störenden und irreführenden sinnlichen Eindrücken zu befreien und nach oben, ans Licht, in die letzte, wirkliche Welt zu gelangen (im Gleichnis wird angenommen, dass es sich dabei auf jeden Fall um die höchste Welt handelt, nur so viel). Das "Endziel" menschlichen Lebens liegt also in der Entdeckung dieser Welt (und in der Befreiung der im Dunklen Sitzenden, was hierfür allerdings irrelevant ist), wofür er sich erstens befreien und zweitens den "Steinigen Weg der Erkenntnis" bezwingen muss.

Ein Fehler ist nur, dies als den "Sinn" des Lebens zu bezeichnen. Das Leben an sich hat keinen Sinn (und da kann mir jeder Biologe noch so viel vom Erhalt der Rasse und des Metamenschen erzählen), dazu müsste es etwas geben, dass wir mit unserem Überleben bewirken. So etwas ist aber nicht zu erkennen, weshalb es völlig unerheblich scheint, ob die Menschheit existiert oder nicht; ohne Mensch gibt es schließlich auch keine Philosophie, keine Wesen, die die letzte Wahrheit suchen und somit auch nicht das Ziel, diese zu finden.
Was jeder für sich festlegen kann, ist natürlich ein persönliches Ziel im Leben. Aber da dies eine reine Subjektivität ist, lasse ich sie beiseite, auch wenn festzuhalten ist, dass diese Suche nach der Erkenntnis nicht unbedingt bewusst stattfindet und sich eventuell in inevidenten Dingen verwirklicht. Im Grunde wollen persönliche Ziele letzten Endes ja auch nur Glück hervorrufen, egal, wie sehr man das verschachtelt (so wie alle Aktionen in ihrer Essenz egoistisch sind, was natürlich einen sozialen Faktor nicht ausschließt).

Ist das höchste Glück überhaupt zu erreichen? Oder ist das ganze Leben nur ein Prozess des Strebens danach, der seine Hürden und Freudenmomente besitzt - entweder weil man auf dem Weg ein Stück zurückfällt oder einen Schritt weiter kommt?
Dass dieses Glück immer subjektiv ist, ist klar. Doch gibt es vielleicht Dinge, die jeder Mensch erreichen und erfahren will, ganz unabhängig von Anlage und Milieu - ganz einfach, weil er Mensch ist?

3 Kommentare 1.12.06 02:28, kommentieren

Zwischenspiel

Ich habe keinen Plan, weshalb die "About Me"-Sektion immer noch nicht ordnungsgemäß funktioniert, Antwort auf meine Mail an das Myblog-Team habe ich auch noch nicht bekommen.
Egal, jedenfalls gibt es jetzt auch noch die "Links"-Abteilung, da sollte man unbedingt regelmäßig hinsehen und so. Ganz tolle Links sind dort natürlich, die es auch alle wert sind, angeklickt zu werden. Ansonsten wären sie ja nicht hier.

Außerdem schreibe ich gerade an einer Geschichte, werde sie wohl auch hierher verlinken, wenn ich fertig bin. Mal sehen wer erkennt, um was es geht.

Nachtrag: Geschichte ist fertig, wie auch im anderen Blog schon gesagt: Ich schrieb die zweite Hälfte gestern um 2 Uhr nachts und bisher hat nur Betti einmal darübergelesen (ich selbst mag es nicht, meine eigenen Geschichten korrektur oder überhaupt zu lesen) - es kann also sein, dass noch ein paar Fehler darin enthalten sind (was natürlich nicht Bettis Aufmerksamkeit schmälen soll!). Viel Spaß, mal sehen, ob mir jemand was dazu sagen kann.

Download: Das Netz

3 Kommentare 4.12.06 00:38, kommentieren

Universalität

Eines der größten Probleme für den wissenschaftlich denkenden Menschen ist immer noch folgendes: Was war vor dem Urknall? Wie kann man sich etwas Raum- und Zeitloses (die beiden Grunddimensionen sind ja erst mit der Materie, also nach dem Urknall enstanden) vorstellen, ein Nicht-Sein quasi, wo doch alles um uns herum vom Sein oder zumindest vom Gedanken daran dominiert wird?
Doch abgesehen von der Überlegung des Posturknalles besteht ja zudem noch die Frage, wer diese Materie, die zu einem Minimum konzentriert irgendwie vorhanden war und sich dann plötzlich entfaltete und ausdeht erschaffen hat, oder vielmehr, woher sie gekommen ist. Und das, sowie die Idee, dass das Universum, wie es heute (in den Grundzügen) vorhanden ist, vielleicht schon immer so war (dazu später mehr), brachte mich auf eine dritte Überlegung bezüglich des "Big Bangs", die mir zuvor komischerweise noch nie gekommen ist: Wer hat den zündenten Funken, den ersten Uranstoß der danach sich immer weiter ausbreitenden Kausalität gegeben? Oder, anders gesagt, was brachte die Materienkonzentration zum "Explodieren"?

Eine Erklärung dafür wäre, dass irgendetwas, irgendjemand diesen ersten Ruck nach Vorne in der Geschichte des Universums gegeben hat - wie ein Mensch, der nach dem Aufbau einer Dominostein-Reihe (oder zumindest nach einer, die schon vorher, aus welchem Grund auch immer, da war) den ersten Stein antippt und somit alles zum Rennen bringt. Hier könnte man einen Gott einsetzen, egal, was seine sonstigen Qualitäten ausmacht oder wie er sich verhält; wichtig ist nur, dass er unabhängig von Raum und Zeit existieren kann und die Kraft besitzt, die Urmaterie in Schwung zu bringen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Idee des Demiurg, der in der griechischen Mythologie zwar eher als Schöpfer der Welt (aber eben nur als dieser) agiert, man ihn aber durchaus - wenn man die Urknalltheorie vertritt - als einfachen Anstoßgeber sehen kann. Schließlich geht es bei diesem vor allem um die Ordnung der Welt, was das Erschaffen einer Materie nicht unbedingt vorraussetzt, wenn diese schon da ist. Und wieso könnte sich das Ordnen nicht als ein für uns erdachter großer Knall äußern?

Doch das logisch folgende Problem hat schon Bertrand Russell formuliert: Wenn wir davon ausgehen, dass alles irgendwie entstanden sein muss (also durch kausale Entstehungsvorgänge hervorgerufen), muss dieser Gott, der Schöpfer, der Zünder ebenso von etwas Höherem erzeugt worden sein. Und wenn wir akzeptieren, dass manche Dinge auch einfach nicht erschaffen werden mussten, können wir das genauso auf das Universum beziehen.
Und hier nun meine persönliche Theorie: Das Universum hat schon immer existiert, seit "ewigen" Zeiten. Das Problem ist nur, dass wir Menschen uns Ewigkeit auf Grund der Anthropomorphisierung nicht vorstellen können und für viele Menschen diese Idee somit nicht nachvollziehbar erscheint. Und da der Mensch (was nun nicht abwertend gemeint ist) seinen Wissensdurst mit naturwissenschaftlichen Erklärungen stillen muss, erlangt man so meistens nicht zur gewünschten Befriedigung.

Aber warum geht es nun?
Wir wissen, dass das Universum sich ausdehnt - das ist ein Fakt, den ich nicht bestreiten möchte. Physiker schließen aus dieser Expandierung, dass, wenn man diesen Vorgang simuliert rückwärts laufen lässt, das Weltall irgendwann auch einmal auf einem kleinsten gemeinsamen Punkt existiert haben muss und dieser vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren sich auszudehnen begonnen hat. Klingt sicherlich plausibel, allerdings möchte ich eine Theorie aufstellen, die ich meiner Freundin einmal mit Hilfe eines Haargummis erklären wollte, ich jedoch meine Meinung nicht ganz herüberbringen konnte. Ich will es hier versuchen:

Man stelle sich einen Haargummi vor, der, in seinem normalen Zustand, das Universum darstellen soll. Man kann ihn ausdehnen, genau so, wie das mit dem Weltall passiert. Normalerweise würde man nun annehmen, dass dessen Urzustand in etwa so aussieht wie der Haargummi, wenn er zusammengeknüllt ist. Nach dem Urknall breitet er sich aus und dehnt sich immer weiter, bis zu einem gewissen Punkt, bei dem wir im Moment angekommen sind.
Wie ist das aber nun, wenn das Universum schon immer existiert hat? Dann ist der Urzustand der Haargummi, wie er auf der Handfläche (oder wo auch immer) liegt. Er kann sich immer noch ausdehnen, man kann schließlich daran ziehen und er wird räumlich größer. Allerdings war er im Urzustand nicht auf einen winzigen Punkt konzetriert, sondern vollständig entfaltet, die Galaxien und Sterne schwebten sozusagen schon im All herum und begannen dann, vor 13 Milliarden Jahren eben, sich auszudehen - der Grund dafür sei ungenannt, denn wie wir erkannt haben, gibt es für die Entstehung des Urknalles ebensowenig eine Begründung.
Ein wichtiger Unterschied ist jedoch auch, dass wir nun nicht von einem "Urzustand" sprechen können. Höchstens von einem, bevor die Ausdehnung begonnen hat, aber da dieser keinen Urpunkt, keinen Anfang hatte, würde ich diesen eher als "Grundzustand" bezeichenen.

Beweise gibt es dafür natürlich ebensowenig welche, ansonsten wäre irgendein Naturwissenschaftler bestimmt schon auf diese Idee gekommen. Aber ich denke, die These eine interessente Alternative zum Urknallmodell dar, die man natürlich gerne widerlegen darf.

6 Kommentare 16.12.06 21:25, kommentieren