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Und das hier ist... ?

Dieser Blog ist ein Erlebnisblog.
Dieser Blog ist ebenso ein Gedankenblog.
Und dieser Blog ist gleichzeitig auch ein politischer Blog.

In diesem Weblog sammle ich meine Überlegungen und Meinungen zu bestimmten Themen, die mich im Alltag konfrontieren; seien es Aktionen in der (Welt-)Politik, Aussagen und Reaktionen meiner Mitmenschen oder ganz einfach Erkenntnisse, ich in meinem täglichen Leben bekomme. Ganz persönlich und gewollt subjektiv sind diese Einträge, allerdings immer in Hinblick auf eine eventuelle allgemeine Lösung oder Sicht auf das "Problem", wenn man es so nennen will.

Was dieser Blog nicht ist, ist ein Tagebuch-Blog im herkömmlichen Sinne. Mein heutiges Frühstück, meine letzte Schulnote, die nächste Party oder der Zustand meiner Beziehung sind hier irrelevant - wer dennoch was über mich erfahren will, kann aber gerne in die "About Me"-Sektion hereinschauen.

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn man hier ab und zu reinsehen, reinlesen und vielleicht auch einen Kommentar hinterlassen würde. Bereden lässt sich schließlich alles, und die Meinungen anderer nehme ich auch sehr gerne zur Kenntnis.

19.11.06 01:43, kommentieren

Gesundheit! - Also bitte...

Vor ein paar Tagen waren ich und 3 Freunde bzw. Freundinnen bei einer dieser Freundinnen zum Schauen von V wie Vendetta eingeladen.
Während einer Pause zum Essenmachen kam es dazu, dass der Freund, C., nieste. Darauf kamen von Seitens der beiden Mädchen, I. und N., ein "Gesundheit", wie man es gewohnt ist - ich lasse dies meistens aus, warum, steht dann weiter unten. Anschließend meinte I. jedoch, dass ihre Englischlehrerin erzählt hätte, dass diese Floskel neuerdings unhöflich sei und man nicht mehr "Gesundheit" nach dem Niesen sagen sollte.
Ich war zunächst natürlich erstaunt und fragte sie, wieso man das denn nicht mehr sagen sollte. Sie meinte darauf, dass das jetzt eben so sei und als Unhöflichkeit gelte. Irgendwie fiel mir dann Thomas Schäfer-Elmayer und sein Benimmbuch ein. Da sie jedoch nicht genau wusste, wer diese neue "Regel" nun aufgestellt hatte, war das natürlich nur eine Vermutung.
Allerdings hielt I. fest daran, dies nun nicht mehr zu sagen bzw. es als schlecht anzusehen, weil dieser oder diese Jemand seit Neustem behauptet, dass der Besserungswunsch so gemeint wäre.

Ich war ehrlich gesagt ziemlich entsetzt. Ich habe zwar nichts gegen I., frage mich aber dennoch, wie man so gedankenlos und ohne Hinterfragung dererlei rein subjektive Diktierungen einfach hinnehmen und als richtig ansehen kann. Es ist in Ordnung, wenn sie für sich selbst entscheidet, diese Floskel nicht mehr zu verwenden - das allerdings zu tun, weil ein selbsternannter Benimmexperte das so will, finde ich schon ein starkes Stück.

Wer macht die Anstandsregeln in unserer Gesellschaft? Nicht die Gesellschaft selbst, sondern eine Gruppe von Menschen, die sich dafür ohne Weiteres berufen fühlt? Und selbst wenn jener Verfasser der neuen "Regelung" sich mit Soziologie und üblichen Umgangsformen auskennt, so müsste dieser doch selbst am besten wissen, dass es negativ wirkt, wenn man der Kulturgruppe eine bestimmte Verhaltensweise aufzwängt, ohne dass diese einen längeren Entwicklungshintergrund war.

Und noch zur Frage, wieso ich kaum "Gesundheit" wünsche: Ich bin der Ansicht, dass beim Niesen in den wenigsten Fällen eine Krankheit die Ursache ist. Meistens werden ganz einfach umherfliegende und in die Nase gelangene Staubkörnchen mit dem Niesen ausgestoßen, ebenso tritt bei ~35% der Menschen (so auch bei mir) der so genannte Photische Niesreflex auf.
Wenn jemand wirklich verkühlt ist, merkt man das normalerweise aber sowieso zuletzt am Niesen - Röcheln und das typische Schleimaufziehen sind da eher Indizien. In diesem Fall wünsche auch ich nach dem Niesen gerne eine baldige "Gesundheit".

4 Kommentare 19.11.06 01:46, kommentieren

Dem scheint - ganz fener ihm - es sei, mir all's nur weiters allerlei!

Manche kennen das wohl: Man öffnet ein Buch Johann Wolfgang von Goethes und ist erstmal über die komplizierte Wortwahl, die seltsame Grammatik oder sogar über einem bis dato unbekannte Wörter erstaunt.
Dies hängt natürlich auch damit zusammen, wie sehr man mit älterer Literatur vertraut ist, aber so ein Erlebnis hatte bestimmt schon einmal jeder, der sich etwas mit Büchern befasst. Und selbst wenn man diese Art von Sprache gewohnt ist, erkennt man doch signifikante Unterschiede zu der in heutigen Büchern verwendeten.

Denkt man nun aber etwas weiter (oder auch an die Vergangenheit) wird einem klar, dass sich auch unsere heute gebräuchliche Sprache irgendwann so stark verändern wird, dass Unterschiede wie zwischen einem Kafka und einem Dan Brown zwischen unserer heutigen und der zukünftigen Literatur existieren werden. Die Frage ist nur: Wie werden diese aussehen?

Viele der deutschen Sprache zugewandte Menschen verteufeln ja den durch das Englische auftretenden Sprachwandel hinsichtlich der Anglizismenverwendung im täglichen Leben. Ich bin der Meinung, dass sich Sprache auf jeden Fall entwickeln darf und soll und ein Entwicklungsstillstand eher wenig förderlich wäre - selbst wenn das einer gewisse innere Umstellung bedarf.
Allerdings muss man auch das Ausmaß dessen bedenken. Ich sehe es ehrlich gesagt nicht gerne, wenn man, nur um massenwirksamer oder medientauglicher aufzutreten, jedes Wort möglichst in einen englischsprachigen Kontext zwängt oder gleich übersetzt wiedergibt. Die Gefahr dabei ist nämlich, dass das Englische, zum Nachteil anderer Sprachen, im Einfluss die Überhand gewinnt. Natürlich gibt es immer noch aus dem Französischen übernommene Wörter im Deutschen bzw. solche mit französischem Einfluss. Nur haben diese auf Grund der Amerikanisierung der Verkaufswirtschaft in der Öffentlichkeit keinen besonders großen Wert mehr.

Aber abgesehen davon, gibt es ja noch die "Jugendsprache", die unter die Fuchtel der Kritiker fällt. Hier muss man jedoch zwischen geschriebener und gesprochener Sprache unterscheiden: Gegen ein "Alter", "Mann", "Ey" oder "Krass" im umgänglichen Sprachgebrauch habe ich rein gar nichts - ich verwende diese Wörter selbst. In einen Text (wenn er das Thema nicht gerade künstlerisch verarbeitet) würde ich sie jedoch niemals einbauen - zumindest nicht in dem Kontext, in dem sie "auf der Straße" verwendet werden.
Somit finde ich es auch ziemlich unnötig von Pons, ein Wörterbuch der Jugendsprache herauszubringen. So etwas mag vielleicht lustig zum Nachschlagen sein, wenn man allerdings zu dem Punkt gelangt, diese Wörter auch in schriftlicher Form zu verwenden (und dabei helfen Wörterbücher ja für gewöhnlich), ist meiner Meinung nach irgendetwas schief gelaufen.

Noch eine Stufe härter ist dann die Neuigkeit, dass in Neuseeland Internetabkürzungen bei Englisch-Arbeiten verwendet werden dürfen. Ich frage mich immer noch, weshalb man somit die Verwendung von nonkonformen Abkürzungen (die zudem selbst für mich als täglichen Internet-, Chatsystem- und Forennutzen teilweise sehr undurchsichtig sind) fördert und auf Rechtschreibung keinerlei Wert zu legen scheint.
Wie stellen sich die Verantwortlichen das zukünftige Berufsleben jener Kinder vor? Mit der Hoffnung, bis dahin würde jedermann in dieser Weise schreiben?

Aber genug dazu.
Im Grunde ging es mir ja nur um die Überlegung, wie erstaunt ein Mann/eine Frau des gerade zu Ende gehenden 21. Jahrhunderts über unsere Art und Weise des Schreibens sein muss - sofern er oder sie die Sprachentwicklung nicht mitbekommen hat.
Ich jedenfalls denke, dass es vorallem bezüglich der Wortwahl noch einige Unterschiede/Neuerungen geben wird und die Einflüsse anderer Sprachen mehr Wirkung zeigen als zuvor. Vielleicht wird es sich so abspielen wie beim Pennsylvania-Deutsch, bei dem man (ungeachtet des Dialekts) auch bei uns nicht verwendete englische Wörter ganz einfach in den gewöhnlichen Sprachgebrauch eingebunden hat - was hier natürlich einen anderen Hintergrund hat. ; )

21.11.06 01:09, kommentieren