Möglichkeit und Realität

In Österreich haben wir mittlerweile, nach ca. 3 Monaten der Koalitionsverhandlung, eine neue Regierung, bestehend aus den beiden Großparteien SPÖ und ÖVP. Als Kanzler agiert der Parteivorsitzende der SPÖ, Alfred Gusenbauer, da dessen Partei um ~ 1% die Wahl "gewann".
Nun kam aber folgendes Problem auf: Vor der Wahl wurden diverse Versprechungen gemacht, wie das meistens so ist. Bei der SPÖ waren das u.a. der Austritt aus dem Eurofighter-Vertrag, die Einführung einer Grundsicherung für bedürftige Menschen sowie die Abschaffung der Studiengebühren. Und gerade letzteres Thema ist ziemlich heikel, da die ÖVP genau den Gegenkurs vertritt und die Studiengebühren unbedingt beibehalten möchte.
Man einigte sich als gegen Ende der Verhandlungen auf eine ziemlich undurchdachte Lösung - wohl, weil man diese endlich beenden und, wie versprochen, gegen Anfang des neuen Jahres eine feste Regierung haben wollte. Jetzt gibt es Proteste, vor allem von Studenten und eigentlichen SPÖ-Anhängern, da sich diese gewissermaßen betrogen und als Wähler ausgenutzt fühlen, schließlich brach man ja ein zentrales Wahlversprechen. Gusenbauer selbst verteidigt sich damit, ja nicht völlige Macht über den Ausgang der Koalitionsverhandlungen gehabt zu haben und seine Ideen schließlich nicht einfach so festlegen kann. Das scheint aber niemanden zu interessieren.

Nun also meine Meinung dazu:
Ich, als (hoffentlich) zukünftiger Student bin natürlich gegen Studiengebühren. Es geht mir dabei aber nicht nur um eine finanzielle Vergünstigung für mich in naher Zukunft, sondern um das Grundprinzip der freien Bildung, welches ich unterstütze. Wissen ist zentrales Element einer Gesellschaft, wovon möglichst jeder profitieren sollte und besonders während eines Studiums hat man meist nicht das große Geld, da dies einiges an Zeit in Anspruch nimmt.
Was ist aber nun also die Lösung von ÖVP und SPÖ?
Es geht darum, als Ausgleich für die Studiengebühren eine Art Sozialdienst zu leisten. Konkret heißt das: Arbeitet man 60 Stunden pro Semester freiwillig für die Gesellschaft, werden einem die Gebühren für dieses erlassen. Was man sich unter einem solchen Sozialdienst vorstellt, wissen die Parteien selbst noch nicht so genau - aufgekommen sind bisher die Ideen einer Nachhilfe für Mittelschüler oder die Arbeit in einem Hospiz, wobei gleich darauf der Einwand erwidert wurde, eine solche Arbeit wäre eine zu große psychische Belastung dafür, dass man sie als Nebenjob macht, sowie eine Ausbildung für die meisten Tätigkeiten notwendig. Es wird sich also zeigen, was für Ideen noch den Köpfen der Verantwortlichen entwachsen.

Aber abgesehen davon ist dieser Vorschlag meiner Meinung nach generell keine ideale Lösung. Erstens spricht die erwähnte Zeit, die man für das Lernen und das Besuchen der Vorlesungen (und selbstverständlich auch für die persönliche Freizeit) benötigt, eine Rolle: Muss man für den Erlass seiner Gebühren auch noch arbeiten und hat nebenbei vielleicht ohnehin schon einen zusätzlichen Job, um beispielsweise die eigene Wohnung zu erhalten, wird es wirklich knapp. Und dies ist bei den meisten Studenten eben der Fall, denn aber einem gewissen Alter (also in späteren Semestern) konvergiert die Zahl der Nesthocker so ziemlich gegen Null.
Zweitens resultiert daraus möglicherweise eine längere Studiendauer. Kann man sich wegen 1 bis 2 Jobs nicht genau genug auf das Studium konzentrieren, mag es bei einigen vorkommen, dass diese womöglich ein Jahr wiederholen müssen - was für keinen, weder für Student noch Staat, vorteilhaft ist. Denn je schneller das Studium abgeschlossen ist, umso eher übt der ehemalige Student einen richtigen Beruf aus und zahlt ordentlich Lohn- und andere Steuer.

Doch noch einmal zu Gusenbauer: Ich kann ihn ehrlich gesagt gut verstehen. Klar, das Wahlversprechen war vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber damals konnte man auch noch nicht wissen, mit welchen Parteien man (wenn überhaupt) koalieren wird. Zudem ständig Wahlversprechen von irgendwelchen Parteien gegeben und diese dann nicht eingehalten werden - nicht, dass man sich dann nicht immer noch aufregen dürfe, das ist schon verständlich.
In diesem Fall jedoch war es besonders schwierig, da Meinung auf Gegenmeinung stieß: die ÖVP, die unbedingt an den Studiengebühren festhalten will und die SPÖ, die sie auf jeden Fall weg haben möchte. Und irgendwie musste man sich einigen, da beide Partner gleiches Mitspracherecht haben - der eine Prozent Ergebnisunterschied lässt die SPÖ schließlich nicht über die ÖVP herrschen. Somit ist einerseits verständlich, dass die Betroffenen aufgebracht sind, andererseits ebenso, dass keine vollkommen einseitige Lösung erschaffen werden konnte, da in diesem Fall eine Partei über die andere hätte dominieren können - was bei Kompromissverhandlungen ja nicht wirklich Ziel ist.
Leider kapieren dies viele Leute scheinbar nicht und verstecken sich hinter sinnlosen Protesten, anstatt erstmal zu warten, was aus der Sache wird. Dass der derzeitige Vorschlag nur vorläufig ist, dürfte doch verständlich sein.

3 Kommentare 12.1.07 22:56, kommentieren

Alles gut so

"Normal". "Normalität".
Ich mag diese Wörter nicht. Was ist "normal"?
Wenn wir etwas bewerten (und das tun wir tagtäglich in irgendeiner Form), also sagen, dass etwas "gut", "schlecht", "besser", "schwach", "mies", "super" und so weit ist, gehen wir zwangsweise davon aus, dass es eine Mittelform geben muss, eine Art "Normalwert", von dem aus gesehen etwas ins Positive oder Negative geht. Ein Ideal wäre zu viel gesagt, schließlich gibt es nichts Besseres als das Ideale und man könnte die Dinge nur insofern beurteilen, als sie nur wenig, um einiges, sehr viel etc. schlechter sind.
Ich lese ein Buch. Jemand will von mir wissen, wie ich es finde. Gedanklich komme ich wohl sofort darauf, ob es meinem Geschmack entspricht, zumindest im Groben, ohne auf Details einzugehen. Es "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht", um es so zu sagen. Das setzt aber voraus, dass, in ersterem Fall, es ein "Normalbuch" geben muss, das mir schlechter gefällt und umgekehrt eines, das ich besser finde. Nur: woraus setzt sich dieses zusammen? Aus allen Büchern, die ich je gelesen habe? Nun, irgendwie entsprechen diese alle entweder meinem Geschmack oder nicht, lassen sich somit in eine der beiden Kategorien, nicht aber in die des Normalen einteilen. Oder erschaffe ich vielleicht ein mir unbewusstes Gesamtmeinungsmittel? Wobei sich dann wieder die Frage stellt, wonach ich das allererste von mir bewertete Buch bewertet habe - wenn doch vorher kein Mittel da war, um zu sagen ob dieses Buch nun besser oder schlechter (als was auch immer) ist.

Aber in anderen Belangen stört mich dies noch viel mehr. Man nehme Aussagen wie "Du bist ja nicht normal!", "Normalerweise verhält man sich in diesem Alter aber anders!" oder "Was für ein abnormales Denken!". Woran macht man hier fest, was denn normal und somit auch abnormal ist? Ist ein Verhalten normal, weil es in der Natur öfters vorkommt, weil es überhaupt nicht nur bei uns Menschen vorkommt? Das wäre dann die biologische Normalität. Die gesellschaftliche kann man wohl am besten als "Was die Meisten tun, ist normal" beschreiben, aber das ist auch nicht das Wahre, denn damit geht der Individualismus eindeutig zu Grunde. Und ansonsten wäre ein Indiz für Normalität wohl das, was wir am öftesten erleben, was uns täglich erscheint, bis wir es als "normal" akzeptieren. Beispielsweise dass die Sonne in der Früh aufgeht, die Menschen auf der Straße vor- und nicht rückwärts gehen oder dass man bei erstmaligem Zusammentreffen ein paar Worte sagt, die dann als "Begrüßung" gelten. So etwas ist normal, das ist ganz klar, und wer sich nicht daran hält, ist eben abnormal. Ich hoffe man merkt den Zynismus.

Klar, gewisse Normen sind für den Erhalt einer Gesellschaft von Notwendigkeit (zumindest gehe ich vorerst davon aus). Aber wichtig ist ebenso, dass man diese hinterfragt und nicht alles, was ihnen nicht entspricht, als "abnormal" und somit schlecht abtut. Denn wenn wir von Normalität reden, meinen wir im Grunde doch nur unsere eigenen Idealvorstellungen, so, wie es für einen persönlich aussehen sollte und weitergehend auch, wie es nicht zu sein hat. Aussagen sind natürlich subjektiv und wenn ich behaupte, Geschrei auf der Straße wäre in meinen Augen abnormal, hat das bestimmt seine Berechtigung als eigene Meinung. Aber vielleicht kann man manchmal dennoch seine Wortwahl überdenken und mit schweren Termini wie eben "normal" nicht so leichtfertig um sich werfen. Denn wenn man behauptet, etwas sei "normal", dann nimmt man sich schon verdammt viel heraus, da man sozusagen alleine das Soll festsetzt, nach dem sich möglichst alles zu richten hat.

Das Ganze könnte man noch um einiges weiter ausführen, was ich vielleicht auch noch machen werde. Aber jetzt bin ich müde, und damit ich nicht Gefahr laufe, morgen von dem Text nicht mehr angetan zu sein, schicke ich ihn lieber gleich ab. Wie gesagt, Ergänzungen könnten folgen.

27.12.06 06:29, kommentieren

Universalität

Eines der größten Probleme für den wissenschaftlich denkenden Menschen ist immer noch folgendes: Was war vor dem Urknall? Wie kann man sich etwas Raum- und Zeitloses (die beiden Grunddimensionen sind ja erst mit der Materie, also nach dem Urknall enstanden) vorstellen, ein Nicht-Sein quasi, wo doch alles um uns herum vom Sein oder zumindest vom Gedanken daran dominiert wird?
Doch abgesehen von der Überlegung des Posturknalles besteht ja zudem noch die Frage, wer diese Materie, die zu einem Minimum konzentriert irgendwie vorhanden war und sich dann plötzlich entfaltete und ausdeht erschaffen hat, oder vielmehr, woher sie gekommen ist. Und das, sowie die Idee, dass das Universum, wie es heute (in den Grundzügen) vorhanden ist, vielleicht schon immer so war (dazu später mehr), brachte mich auf eine dritte Überlegung bezüglich des "Big Bangs", die mir zuvor komischerweise noch nie gekommen ist: Wer hat den zündenten Funken, den ersten Uranstoß der danach sich immer weiter ausbreitenden Kausalität gegeben? Oder, anders gesagt, was brachte die Materienkonzentration zum "Explodieren"?

Eine Erklärung dafür wäre, dass irgendetwas, irgendjemand diesen ersten Ruck nach Vorne in der Geschichte des Universums gegeben hat - wie ein Mensch, der nach dem Aufbau einer Dominostein-Reihe (oder zumindest nach einer, die schon vorher, aus welchem Grund auch immer, da war) den ersten Stein antippt und somit alles zum Rennen bringt. Hier könnte man einen Gott einsetzen, egal, was seine sonstigen Qualitäten ausmacht oder wie er sich verhält; wichtig ist nur, dass er unabhängig von Raum und Zeit existieren kann und die Kraft besitzt, die Urmaterie in Schwung zu bringen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Idee des Demiurg, der in der griechischen Mythologie zwar eher als Schöpfer der Welt (aber eben nur als dieser) agiert, man ihn aber durchaus - wenn man die Urknalltheorie vertritt - als einfachen Anstoßgeber sehen kann. Schließlich geht es bei diesem vor allem um die Ordnung der Welt, was das Erschaffen einer Materie nicht unbedingt vorraussetzt, wenn diese schon da ist. Und wieso könnte sich das Ordnen nicht als ein für uns erdachter großer Knall äußern?

Doch das logisch folgende Problem hat schon Bertrand Russell formuliert: Wenn wir davon ausgehen, dass alles irgendwie entstanden sein muss (also durch kausale Entstehungsvorgänge hervorgerufen), muss dieser Gott, der Schöpfer, der Zünder ebenso von etwas Höherem erzeugt worden sein. Und wenn wir akzeptieren, dass manche Dinge auch einfach nicht erschaffen werden mussten, können wir das genauso auf das Universum beziehen.
Und hier nun meine persönliche Theorie: Das Universum hat schon immer existiert, seit "ewigen" Zeiten. Das Problem ist nur, dass wir Menschen uns Ewigkeit auf Grund der Anthropomorphisierung nicht vorstellen können und für viele Menschen diese Idee somit nicht nachvollziehbar erscheint. Und da der Mensch (was nun nicht abwertend gemeint ist) seinen Wissensdurst mit naturwissenschaftlichen Erklärungen stillen muss, erlangt man so meistens nicht zur gewünschten Befriedigung.

Aber warum geht es nun?
Wir wissen, dass das Universum sich ausdehnt - das ist ein Fakt, den ich nicht bestreiten möchte. Physiker schließen aus dieser Expandierung, dass, wenn man diesen Vorgang simuliert rückwärts laufen lässt, das Weltall irgendwann auch einmal auf einem kleinsten gemeinsamen Punkt existiert haben muss und dieser vor ungefähr 13,7 Milliarden Jahren sich auszudehnen begonnen hat. Klingt sicherlich plausibel, allerdings möchte ich eine Theorie aufstellen, die ich meiner Freundin einmal mit Hilfe eines Haargummis erklären wollte, ich jedoch meine Meinung nicht ganz herüberbringen konnte. Ich will es hier versuchen:

Man stelle sich einen Haargummi vor, der, in seinem normalen Zustand, das Universum darstellen soll. Man kann ihn ausdehnen, genau so, wie das mit dem Weltall passiert. Normalerweise würde man nun annehmen, dass dessen Urzustand in etwa so aussieht wie der Haargummi, wenn er zusammengeknüllt ist. Nach dem Urknall breitet er sich aus und dehnt sich immer weiter, bis zu einem gewissen Punkt, bei dem wir im Moment angekommen sind.
Wie ist das aber nun, wenn das Universum schon immer existiert hat? Dann ist der Urzustand der Haargummi, wie er auf der Handfläche (oder wo auch immer) liegt. Er kann sich immer noch ausdehnen, man kann schließlich daran ziehen und er wird räumlich größer. Allerdings war er im Urzustand nicht auf einen winzigen Punkt konzetriert, sondern vollständig entfaltet, die Galaxien und Sterne schwebten sozusagen schon im All herum und begannen dann, vor 13 Milliarden Jahren eben, sich auszudehen - der Grund dafür sei ungenannt, denn wie wir erkannt haben, gibt es für die Entstehung des Urknalles ebensowenig eine Begründung.
Ein wichtiger Unterschied ist jedoch auch, dass wir nun nicht von einem "Urzustand" sprechen können. Höchstens von einem, bevor die Ausdehnung begonnen hat, aber da dieser keinen Urpunkt, keinen Anfang hatte, würde ich diesen eher als "Grundzustand" bezeichenen.

Beweise gibt es dafür natürlich ebensowenig welche, ansonsten wäre irgendein Naturwissenschaftler bestimmt schon auf diese Idee gekommen. Aber ich denke, die These eine interessente Alternative zum Urknallmodell dar, die man natürlich gerne widerlegen darf.

6 Kommentare 16.12.06 21:25, kommentieren